Benefiz: Die Fußballer haben die Opfer der Gewalttat in Stade nicht vergessen

10.000 Euro kommen beim Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Opfer der Gewalttat von Stade zusammen. Die Fußballer setzen ein Zeichen. Für ein kleines Licht am Ende des Tunnels.

Drochtersen. Das Benefizspiel zugunsten der Hinterbliebenen der Gewalttat in Stade beginnt mit einer Schweigeminute. Links stehen die Fußballer des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel auf dem Rasen. Rechts die Kicker der Kreisauswahl Team TAGEBLATT. In der Mitte das Schiedsrichter-Gespann um Christopher Blank und seine Assistenten Till Kluth und Jonas Lühmann. Auf der Haupttribüne gedenken knapp 400 Menschen der sechs Opfer vom 29. Juni.

Aus diesen Vereinen kommen die Auswahlspieler

Sie alle sind an diesem Tag im Kehdinger Stadion, um ein Zeichen zu setzen. Um den Hinterbliebenen eine Botschaft zu senden. „Wir haben euch nicht vergessen. Es gibt Menschen, die an euch denken“, sagt Malte Handke vom JFV D/A & Stade. Schritt für Schritt solle am Ende des dunklen Tunnels wieder ein kleines Licht leuchten.

Zwei Veranstalter unter sich: Malte Handke (links) und JFV-Präsident Ingo Dammann. Foto: Jörg Struwe

Sieben Vereine aus dem Landkreis Stade schicken 24 Spieler in die Auswahl, die an diesem Samstag gegen D/A spielt: VfL Güldenstern Stade, VSV Hedendorf/Neukloster, TuSV Bützfleth, TSV Wiepenkathen, TuS Harsefeld, SV Ahlerstedt/Ottendorf und die SV Drochtersen/Assel II. Veranstalter ist der Jugendförderverein D/A & Stade. Das TAGEBLATT ist Medienpartner dieser Aktion. Die Wohnstätte Stade spendierte die Trikots.

Der Regionalligist SV D/A schlägt die Kreisauswahl 10:0. Aber das Ergebnis ist an diesem Tag nicht wichtig. Foto: Jörg Struwe

Nach der Schweigeminute rollt der Ball. D/A schlägt die Kreisauswahl mit 10:0. Christopher Schepp, Philipp Aue, Terry Becker, Ali Abu-Alfa, Martin Sattler und Rhys Punfong schießen die Tore für D/A. Vor allem in der Schlussphase kommt aber auch das Team TAGEBLATT zu Möglichkeiten. Das Publikum gönnt vor allem den Bezirks- und Landesligakickern den Ehrentreffer.

Stobbe: „Ich bin stolz, Teil des Ganzen zu sein“

Trainer Björn Stobbe und sein Co-Trainer Robin Stare betreuen das Team TAGEBLATT. Die beiden bilden im Ligaalltag beim Bezirksligisten VSV Hedendorf/Neukloster das Gespann an der Linie. „Heute“, sagt Stobbe, „bin ich stolz, Teil des Ganzen zu sein. Wenn wir es gemeinsam schaffen, den Hinterbliebenen ein kleines Lächeln auf die Lippen zu zaubern, haben wir viel erreicht.“ Die, die in Stobbes Auswahl stehen, haben eine ähnliche Sicht auf die Dinge.

„Das ist eine richtig coole Sache“, sagt Nico Osuch vom TuS Harsefeld. Er habe die Hoffnung, dass viel Geld für die Hinterbliebenen zusammenkommt. Er habe sofort zugesagt. Osuch spielt in der Landesliga. Einer seiner Gegner sitzt an diesem Tag in der Umkleidekabine neben ihm.

Trainerkollegen unter sich: D/A-Coach Oliver Ioannou (links) und Björn Stobbe, der im Ligaalltag Hedendorf trainiert und am Samstag das Team TAGEBLATT betreute. Foto: Jörg Struwe

Timo von Holt kickt für die SV Ahlerstedt/Ottendorf. „Auf dem Platz bekriegen wir uns. Heute ist alles gut“, sagt von Holt. Dieser Tag und die Tatsache, dass Spieler so vieler Vereine in der Auswahl stehen, zeigen auch, dass der Fußball „eine Gemeinschaft ist“.

Nico Osuch vom TuS Harsefeld versucht, Drochtersens Ali Abu-Alfa in Schach zu halten. Foto: Jörg Struwe

Junge: „Thema geht in den Medien zu schnell unter“

Michel Junge spielte einst für D/A. Heute gilt er als Kreativposten beim TSV Wiepenkathen. „Kinder haben ihre Eltern verloren. Wir haben die Möglichkeit, Geld einzuspielen“, sagt er. Das Thema bekomme wieder Präsenz, auch weil die Organisatoren D/A mit seiner Strahlkraft nutzten. „Das Thema ist zu schnell wieder untergegangen in den Medien“, sagt Junge.

Das Schiedsrichter-Gespann um Christopher Blank und seine Assistenten Till Kluth und Jonas Lühmann. Foto: Jörg Struwe

Der JFV D/A & Stade um Präsident Ingo Dammann rückt es am Samstag in den Fokus. „Die schreckliche Tat hat uns mitgenommen und geschockt“, sagt Dammann. Weil in 100 Meter Entfernung des Tatorts viele JFV-Fußballer zur Schule gehen, sei die Betroffenheit noch größer. „Wir wollen ein Zeichen setzen für den Zusammenhalt“, sagt Dammann. Ein Mann, der am Samstag im Kehdinger Stadion zuschaut, war am 29. Juni einer der ersten am Tatort.

Andreas Hellmich leitete den Einsatz der Notfallseelsorger. 18 Kolleginnen und Kollegen aus den Kirchenkreisen Buxtehude und Stade und von der Johanniter-Unfall-Hilfe trafen auf Angehörige, Einsatzkräfte und Passanten. Sie halfen, nach Worten zu suchen, sich zu sortieren und wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Die Seelsorger leisteten Akuthilfe. „Normalität heißt: Wir leben weiter. Und wir leben mit den Eindrücken weiter“, sagt Hellmich.

Andreas Hellmich leitete den Einsatz der Notfallseelsorger nach der Gewalttat in Stade am 29. Juni. Foto: Jörg Struwe

So viel Geld ist beim Benefizspiel zusammengekommen

Hellmich sagt aber auch, dass es wesentlich sei, die Hilfe auch über den Tag hinaus zu ermöglichen. Hellmich half dabei, Angebote verschiedenster Institutionen für die Hinterbliebenen miteinander zu vernetzen. Ihm wird gefallen haben, was der Fußball an diesem Wochenende beigetragen hat.

In der zweiten Halbzeit steht A/O-Keeper Timo Haepp zwischen den Pfosten der Kreisauswahl. Foto: Jörg Struwe

Rund um das Benefizspiel zwischen der SV Drochtersen/Assel und der Kreisauswahl Team TAGEBLATT kommen rund 8000 Euro an Spenden zusammen. Sponsoren hatten im Vorfeld des Spiels bereits 4500 Euro überwiesen. Das TAGEBLATT spendet 2500 Euro aus dem Erlös einer Anzeigenkampagne. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und aus einer Versteigerung. D/A-Präsident Rigo Gooßen stockt die Spende auf 10.000 Euro auf.

Quelle: Stader Tageblatt

Fotos: Jörg Struwe (alle Bilder sind honorarfrei)

 

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